Die in den letzten Tagen geführte Debatte um die iPhone-Applikation der ARD wird leider nur um einen teilaspekt der Problematik gefüher. Betrachtet man nur diesen Teilaspekt, nämlich den Aufschrei der Verleger- und Privatrundfunklobby, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass es sich nur um das übliche substanzlose Lobbygejammer handelt. Natürlich fällt die CDU auch wieder darauf herein und ist sofort zur Stelle.
Aber darum geht es garnicht. Man stelle sich vor, die ARD hätte an Stelle einer iPhone-Applikation eine Software für Windows entwickeln lassen. Der Aufschrei der Nerds und vor allem der Apple-Community wäre groß gewesen, die Blogosphäre hätte gebebt. Etwas ähnliches gab es ja 2007 in England, als die BBC mit Gebührengeldern eine Windows-Software namens iPlayer entwickeln ließ. Mac- und Linux-User argumentierten zu Recht, dass sie ja auch Gebühren zahlen und daher nicht ausgesperrt werden dürften. Und letztendlich wirde der Druck auf die BBC so groß, dass sie tatsächlich iPlayer-Versionen für Mac und Linux entwickeln ließ.
Ähnlich muss man es auch beim iPhone sehen. Obwohl alle die gleiche Gebühr zahlen, werden die Nutzer einer bestimmten Plattform hier privilegiert. Es ist durchaus sinnvoll, wenn ARD und ZDF mobile Inhalte anbieten, aber bitte webbasiert, so dass alle Endgeräte einschließlich des iPhone darauf zugreifen können. Das Geld, das jetzt für die iPhone-Applikation verschwendet wird, wäre so viel sinnvoller investiert worden. So muss sich die ARD den Vorwurf gefallen lassen, einem Hype hinterherzuhecheln, was nicht das erste Mal wäre. Während es anderswo einen Trend weg von nativen und hin zu webbasierten Anwendungen gibt, ist es beim iPhone derzeit genau umgekehrt. Für vieles, was bisher über das Web gibt, werden plötzlich Applikationen angeboten. Ein Trend, der aus Kostengründen wohl früher oder später wieder zu Ende gehen wird.
Als Piraten sollten wir auch hier offene Standards fordern, eine aus Gebühren finanzierte Applikation für eine einzige Plattform ist daher abzlehnen. Aber auch den Wünschen der Verlegerlobby ist eine klare Absage zu erteilen.
