Rechte Umtriebe in jungen Parteien

Seit gestern erhitzt ein Blogbeitrag von Aaron Koenig die Gemüter, indem er den Islam als “politisch totalitäre Bewegung” bezeichnet. Zwar handelt es sich um sein privates Blog, aber so etwas darf nicht passieren, wenn man Mitglied des Bundesvorstands einer aufstrebenden Partei ist. Aaron hat anscheinend wenig Ahnung vom Islam, sondern lässt sich hier von gängigen Klischees leiten.

Nun hatten wir in der Vergangenheit schon mehrere Fehler von Vorstandsmitgliedern im Umgang mit heiklen Themen. So ließ sich der 2. Bundesvorsitzende, Andreas Popp, von der Jungen Freiheit interviewen und gab hinterher an, nicht gewusst zu haben, um was für eine Postille es sich da handelt. Ich möchte dies auch nicht anzweifeln, aber es zeigt doch, dass es unter unseren Mitgliedern doch noch recht viele Nerds gibt, die sich in ihrem Leben reichlich wenig mit politischen Fragen befasst haben. Andererseits haben wir aber auch den Anspruch, gerade auch politisch Unerfahrene einzubeziehen.

Nun stehen im Januar Vorstandswahlen in NRW an, die Auswirkungen auf den beginnenden Landtagswahlkampf haben werden. Da wird man aufpassen müssen, dass nicht wieder Kandidaten gewählt werden, die unbedarft Schaden anrichten. Wir müssen uns überlegen, wie wir bei den Vorstandswahlen im Januar herausfinden, welcher Kandidat hier möglicherweise ein Risiko darstellt.

Hinzu kommt, dass wir längst noch nicht so groß sind, um die Gefahr der Unterwanderung durch Rechtsextremisten oder andere “U-Boote” zu ignorieren. Dies zeigt ein Beispiel: Im Jahr 1985 saßen die Grünen bereits im Bundestag und in mehreren Landtagen. Die Mitgliederzahl der Grünen dürfte damals schon deutlich über den 12.000 gelegen haben, die die Piraten derzeit haben. Trotzdem gelang es Mitgliedern einer rechtsextremen Organisation namens “Heidnische Glaubensgemeinschaft”, Schlüsselpositionen im Berliner Landesverband zu besetzen. Dadurch konnten sowohl der Landesvorstand, als auch das Landesschiedsgericht lahmgelegt werden. Viele Mitglieder verließen den Landesverband und schlossen sich der außerhalb der Grünen existierenden “Alternativen Liste” (AL) an. Der Bundesvorstand musste reagieren. Man löste den Landesverband komplett auf und vereinbarte mit der AL, dass diese zum neuen Landesverband wird.

5 Antworten zu “Rechte Umtriebe in jungen Parteien”

  1. Manuel sagt:

    In Berlin werden Kandidaten gebeten sich vorher auf einer entsprechenden Wikiseite vorzustellen. Das kann man natürlich nicht erzwingen, spontane Kandidaturen müssen möglich bleiben, das fordert das Parteiengesetz so weit ich weiß. Jedenfalls kann man sich über die meisten Kandidaten vorher informieren und muss nicht die Katze im Sack wählen.

  2. Commander da bonga sagt:

    Ähnlich wie die Meinung von Aaron König, ist auch das ständige Gerede von rechter Unterwanderung überzogen. Ich kenne Aaron König nicht. Seine Meinung mag vielleicht nicht richtig gewesen sein, aber gleich von Rechtsextremismus und Unterwanderung zu reden, halte ich für doch sehr überzogen.

    Aber wer weiß, vielleicht ist der Aaron ja eine rechte Glatze, die nachts mit Baseballschläger und seinen “Kameraden” auf Ausländerjagd geht – eben ein RechtsEXTREMIST. Tagsüber plant er dann, wie es sich für ein U-Boot gehört, die Unterwanderung der Piratenpartei und hetzt gegen Juden und Muslime.

    Herrlich! Ihr seid schon lustig Leute. Statt dieser hässlichen, gegenseitigen Hetze würde ich mich über konstruktivere und weniger überzogene Diskussionen und Beiträge freuen.

  3. Andi sagt:

    Ich weiß, dass manche Fehltritte mir lange hinterhinken werden, aber wenn du mich schon in einem Post mit Aarons Geschichte erwähnen musst, dann schreib meinen Namen wenigstens richtig :P

  4. admin sagt:

    @Commander da bonga, ich halte Aaron nicht für einen Rechtsextremisten oder Rechtspopulisten, eher für jemanden, der auf rechtspopulistische Bauernfängerei hereingefallen ist.

    Und die Möglichkeit einer Unterwanderung sollte man nicht von der Hand weisen, auch wenn dies nur indirekt etwas mit Aaron zu tun hat. Aber die Reaktion einiger Piraten auf Aarons Beitrag zeigt eindeutig, dass noch viel Aufklärungsarbeit erforderlich ist.

  5. Christian Buhtz sagt:

    Über Stefan König mag ich nichts sagen.

    Aber zu Andreas:
    Gerade weil er diesen “Fehler” gemacht hat, ist er für eine Wiederwahl angesagt. Er hat offensichtlich daraus gelernt und ein dickes Stück mehr an Medienkompetenz gewonnen. Meine Stimme hast du Andreas!

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