Wir Piraten fordern ja immer mehr Medienkompetenz ein. Aber müssen wir da nicht manchmal bei uns selbst anfangen? Letzten Monat gab es eine Diskussion auf der Kölner Mailingliste, weil ein Teilnehmer der Liste einen Link zu einem Interview mit dem dänischen Ptofessor Niels Harrit, der Spuren von Nanothermit in dem Staub gefunden hat, der beim Einsturz des World Trade Centers bei den Anschlägen am 11. September 2001 entstanden ist. Aus diesem Fund schloss er messerscharf, dass das WTC nur gesprengt worden sein kann. Nun besteht aber Thermit aus Aluminium und Eisenoxid, Materialien, die tonnenweise im WTC verbaut waren. Warum sollen durch die Brände nicht Eisenpartikel oxidiert und mit Aluminium vermischt worden sein? Interessenterweise beantwortet weder Prof. Harrit noch irgendein Verschwörungstheoretiker diese Frage. Auch die Frage, wie man eine Sprengung aufwändig vorbereitet, ohne dass einer der zahlreichen Angestellten oder Besucher des WTC etwas bemerkt hat. Die Antworten, die ich bekam, waren völlig nichtssagend. Phrasen wie, “Du klingst wie einer, der von den Mainstreammedien erfolgreich manipuliert wurde”, oder, “Die Beweise sind erdrückend”, etc. aber keine wirklichen Argumente.
Ein anderes Beispiel ist das angebliche “Climategate”, der Hack eines Klimaforschungszentrums. Was dabei tatsächlich gefunden wurde, wird hier und hier erklärt. Aber die Klimaskeptiker arbeiten wesentlich subtiler. So wurde eine Studie publiziert, bei der die Manipulation durch Laien nicht mehr zu erkennen ist. Um mal ein Beispiel zu geben: Auf Seite 6 der Studie (Seite 7 in der PDF-Datei) ist eine Grafik, die belegen soll, dass es kleinen Zusammenhang zwischen dem CO<sub>2</sub>-Gehalt der Athmosphäre und der globalen Temperatur gibt. Allerdings sind vulkanische und astronomische Einflüsse nicht berücksichtigt, darauf geht der Autor mit keinem Wort ein. Das Ganze wurde für eine australische Organisation namens Lavoisier Group angefertigt:
Secretary Ray Evans describes the 90-odd Lavoisier members as a “dad’s army” of mostly retired engineers and scientists from the mining, manufacturing and construction industries.
Quelle: theage.com.au
Mining Industries, das ist in Australien zu einem nicht unbeträchtlichen Teil Kohle und die Kohleindustrie hat natürlich kein Interesse am Klimaschutz. Weitere mit der Ölindustrie und den amerikanischen Neocons verbundene Think Tanks verbreiten die Klimalüge, siehe hier und hier. Anders herum nehmen die Verschwörungstheoretiker gerne Bezug auf die Banken, die schon am bisherighen Emissionshandel gut mitverdient haben, und die schon angekündigt haben, Derivate auf CO<sub>2</sub>-Zertifikate aufzulegen. Belege, dass die Banken an den IPCC-Studien beteiligt sind oder Klimaforschungseinrichtungen finanzieren, fehlen aber.
Gerade das Beispiel “Climategate” offenbart die Mechanismen hinter unserem Verhalten. Wegen des Kampfes gegen die Globale Erwärmung müssen wir uns einschränken und unser Verhalten ändern. Käme es nicht dazu, dann könnten wir so weitermachen, wie bisher. Nicht so extrem ist das Beispiel mit dem WTC. Aber auch hier würde es vielen gut ins Weltbild passen, wenn die Amerikaner mal wieder “Die Bösen” sind. Passt uns etwas gut in den Kram, denn tendieren wir dazu, alles, was es bestätigt, unkritischer zu sehen.