Eine Initialive eines weiblichen Mitglieds der Piratenpartei sorgt derzeit für Wirbel. Die Initiatorin möchte weibliche Piraten (oder Piratinnen, je nach Sichtweise) sowie weibliche Nichtmitglieder vernetzen. Ich halte das Anliegen für legitim, schließlich gibt es auch JuPis und die AG Queeraten, und bei denen beschwert sich auch keiner dagegen, dass sie gegen die Bundessatzung verstoßen. Nun mag man argumentuieren, dass die JuPis ja eine eigenständige Organisation sind und die AG Queeraten auch Piraten als Mitglieder sind, die nicht zu den als “Queer” bezeichneten Gruppen gehören, aber letztendlich könnte auch jemand einen Verein namens “Piratinnen” gründen und per Satzung nur Frauen als Mitglieder zulassen. Diese könnten dann genause Kooperation einfordern, wie sie die JuPis bekommen. Ich glaube aber, dass diese formalen Argumente oft nur vorgeschoben sind, tatsächlich geht es hier um Angsat vor starken Frauen oder latente Frauenfeindlichkeit.
Allerdings ist die Initiatorin etwas über das Ziel hinausgeschossen. Zum einen gab sie eigenmächtig eine Pressemitteilung heraus, zum anderen richtete sie eine geschlossene Mailingliste ein. Die Pressemitteilung erweckte den Eindruck, “offiziell” zu sein, obwohl es sich um die Initiative eines einzelnen Mitglieds handelte. Geschlossene Mailinglisten, die noch nicht einmal lesbar sind, verstoßen jedoch gegen das Transparenzgebot. Andererseits, gleich mit der Ausschlusskeute zu drohen, halte ich für übertrieben. Formfehler können beseitigt werden, auch die geschlossene Mailingliste kann geöffnet werden. Die eigenmächtige Pressemitteilung kann auch mit einer Verwarnung sanktioiniert werden.
Die ganze Diskussion führt jedoch eine Reihe von Fragen auf. An erster Stelle steht natürlich die Frage, brauchen einige Frauen tatsächlich Schutzräume? Wenn ja, sind das Einzelfälle oder kommt das häufig vor? Wie sieht es bei den Männern aus, gibt es da auch welche, die in Gegenwart von Frauen den Mund nicht aufkriegen? Ist ihr Anteil höher oder niedriger als bei den Frauen? Gibt es zu all diesen Fragen wissenschaftliche Studien? Wieviele Frauen und Männer haben da mitgearbeitet? (Stichwort Androzentrismus/Gynozentrismus)
Wir haben es uns zur Grundlage gemacht, uns diskriminierungsfrei zu organisieren. Dann muss es aber erlaubt sein, wenn sich Piraten, die sich diskriminiert fühlen, vernetzen, um die Fakten klarer herauszuarbeiten und Vorschläge zur Beendigung der Diskriminierung zu erstellen. Aber dies muss transparent erfolgen und eben nicht über Hinterzimmer. Gewähren wir einer Gruppe hier eine Ausnahme, so schaffen wir schnell einen präzedenzfall und auch andere Interessengruppen wollen ihre abgeschlossenen Kuschelecken. Aber gerade die Forderung nach Diskriminierungsfreiheit sollte auch dazu führen, dass wir gesellschaftliche Missstände angehen, z.B. das immer noch bestehende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen oder das zunehmende Zurückfallen von Jungen an Schulen.